Wissenswertes rund um den Karneval
Karnevalsverein
Ein Karnevalsverein (auch Faschings-, oder Fastnachtsverein bzw. -gesellschaft) ist ein Verein von Karnevalsjecken, die Karneval bzw. Fassenacht oder Fastnacht organisieren und feiern. Die Karnevalsvereine sind Veranstalter der Karnevalssitzungen, außerdem organisieren sie Umzüge, insbesondere auch die Karnevalsumzüge. Das Vereinsziel der Pflege traditioneller Karnevalsbräuche ist in Deutschland nach § 52 Abs. 2 AO als gemeinnützig anerkannt.
Als Karneval, Fastnacht oder Fasching (auch fünfte Jahreszeit) bezeichnet man verschiedene Bräuche, um die Zeit vor dem Aschermittwoch in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude zu feiern.
Quelle: „http://de.wikipedia.org/wiki/Karnevalsverein“
Karneval
Nördlich der Linie Bonn-Erfurt gibt es in Deutschland fast ausschließlich Karnevalsvereine, die Veranstaltung nennt man hingegen in Sachsen und Brandenburg auch Fasching. Verbreitet bezieht man den Karneval jedoch in erster Linie auf den rheinischen Karneval (siehe: Kölner Karneval, Düsseldorfer Karneval, Bonner Karneval, Eschweiler Karneval, Aachener Karneval, Neusser Karneval, Mönchengladbacher Karneval). In Deutschland ist der Begriff „Karneval“ erstmals Ende des 17. Jahrhunderts, im Rheinland erstmals im Jahr 1728 nachweisbar.[4]
Die Etymologie des Wortes ist nicht eindeutig geklärt. Die heute geläufigste Vermutung ist die Ableitung vom mittellateinischen carnelevare („Fleischwegnehmen“), daraus carnelevale als Bezeichnung für die Fastenzeit („Fleischwegphase“); scherzhaft ist die Übersetzung von „carne vale“ als „Fleisch, lebe wohl!“ möglich.[7]
Der Begriff Karneval findet sich auch im internationalen Sprachraum, wird aber sehr unterschiedlich gefeiert. Karnevaleske Strukturen des Maskierens, Verkleidens und ritualisierter Ausgelassenheit lassen sich in allen Kulturen finden. Bekannt sind unter anderem der Karneval in Rio, Karneval in Venedig, der Karneval von Québec, uvm. Auch in den Südstaaten der USA gibt es eine ausgeprägte Karnevalstradition. Man verwendet hier die französische Bezeichnung Mardi Gras (Fetter Dienstag, Fastnachtsdienstag).
Zeitlicher Verlauf
Beginn
Als Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in den deutschsprachigen Ländern traditionell der Dreikönigstag.
Seit dem 19. Jahrhundert finden in vielen Gegenden zusätzlich am 11. November, ab 11:11 Uhr einzelne Veranstaltungen statt, zu denen insbesondere die Vorstellung des Prinzenpaars gehört. Hintergrund ist, dass auch das Geburtsfest Christi bereits kurz nach dessen Fixierung im Jahr 354 eine vorangehende 40-tägige Fastenperiode vorsah, vor deren Beginn man - wie vor Karneval - ebenfalls die später verbotenen Fleischvorräte aufzuzehren pflegte (Gansessen am 11. November, dem Martinstag).
Die Zeit vom 12. November bis 5. Januar bleibt aber selbst in den Hochburgen entlang des Rheins weiterhin weitgehend karnevalsfrei, was sich aus der erwähnten vorweihnachtlichen Fastenzeit, der Rolle des Novembers als Trauermonat und dem besinnlichen Charakter des Advent erklärt. Soweit von einer „Vorverlagerung“ des Karnevalsbeginns oder von einer „Saisoneröffnung“ am 11. November gesprochen wird, ist dies daher zumindest irreführend. Von seiner Entstehungsgeschichte her stellt der 11. November vielmehr einen zweiten, „kleinen“ Karneval dar; 1823 bestimmte nämlich ein „Festordnendes Comité“ in Köln das närrische Datum zum Beginn der Vorbereitungen für einen von nun an geregelten Karnevalsumzug.
Höhepunkt
Den Höhepunkt erreicht die Fastnacht in der eigentlichen Fastnachtswoche vom schmotzigen/ unsinnigen oder auch glombiga Donnerstag (von Schmotz = Schmalz, was auf in Schmalz gebackene Fastnachtsküchle hinweist) bzw. Weiberfastnacht über den Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag bis zum Fastnachtsdienstag, auch Veilchendienstag genannt. Dabei gibt es insbesondere am Rosenmontag entsprechende Umzüge - wobei sich Rosen ursprünglich nicht auf die Blume, sondern auf das Verb rasen bezog. Anderen Interpretationen zufolge verdankt der Rosenmontag seinen Namen dem vierten Fastensonntag, dem Rosensonntag.
Die größten Umzüge finden in den Karnevalshochburgen statt: Köln, Mainz, Düsseldorf, Mönchengladbach, Aachen, Eschweiler, Euskirchen, Erkelenz, Bonn, Koblenz, Krefeld, Duisburg und Dülken. Aber auch weiter südlich, etwa in Frankfurt am Main (Fastnachtssonntag), Aschaffenburg (Faschingssonntag), Mannheim/Ludwigshafen (Fastnachtssonntag), Wombach (Fastnachtssonntag) Würzburg, Karlstadt/Main (jeweils Fastnachtssonntag) oder Karlsruhe und Stuttgart (Fastnachtsdienstag) gibt es große Umzüge mit mehreren Hunderttausend Besuchern. Als der größte Umzug im norddeutschen Raum ist der traditionelle Schoduvel in Braunschweig am Fastnachtssonntag und der Karnevalsumzug in Berlin bekannt.
In den Stadtteilen, Städten und Dörfern um diese Hochburgen herum gibt es Umzüge am Samstag (Nelkensamstag), Sonntag (Orchideen- oder Tulpensonntag) und Dienstag (Veilchendienstag). In Duisburg-Hamborn findet seit Jahrzehnten am Karnevalssonntag der größte Kinderkarnevalszug Europas statt.
In der Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen. In Düsseldorf und den niederrheinischen Städten wie Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Kleve oder Wesel wird der so genannte Hoppeditz zu Grabe getragen. Dieser war ursprünglich eine typisch niederrheinische Narrenfigur. Dieser Schelm oder Hanswurst hatte Ähnlichkeit mit Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen Hofnarren. So wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert am Niederrhein der kleinen Leute Brauch war, in der Nacht auf Aschermittwoch ausgerüstet mit Stangen, an denen Würste hingen, durch die Straßen zu laufen und lustige Lieder zu singen.
Ende
Ende des Karnevals ist der Aschermittwoch. Sein Termin hängt insofern unmittelbar von der Lage des Osterfests ab:
325 wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocavit oder Dominicia Quadragesima, im Deutschen auch Funkensonntag).
Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch.
Noch bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte „Burefasnacht“ (Bauernfastnacht) und die neue „Herren-“ bzw. „Pfaffenfastnacht“ konkurrierend nebeneinander. Insbesondere im badischen Raum als auch in der Schweiz haben sich viele Bräuche der alten Fasnacht erhalten. Am bekanntesten ist davon sicherlich die Basler Fasnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4:00 Uhr mit dem Morgestraich und endet am folgenden Donnerstagmorgen, ebenfalls um 4:00 Uhr. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch, dass sich der Termin der protestantischen Basler Fasnacht - wie oftmals geschrieben - keineswegs auf die Reformation bezieht, sondern auf obige Begebenheit.
Im orthodoxen Raum beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7. Sonntag vor Ostern, und bereits eine Woche vorher beginnt der Fleischverzicht. Die russische „Butterwoche“, in der traditionell gefeiert wird und große Mengen Blini, eine Art Pfannkuchen gegessen werden, liegt dazwischen; andere osteuropäische Länder haben ähnliche Bräuche. Da das östliche Osterfest oft später ist als das westliche - beruhend auf der westlichen Reform des Kalenders, verschiebt sich auch die Fastnacht.
Der Narr
Als Narr (von Althochdeutsch Narro), aber auch als Tor (davon hergeleitet töricht als Eigenschaft), wurde im Mittelalter ein Spaßmacher bezeichnet, der für Unterhaltung und Belustigung sorgen sollte und dabei meist auffällig gekleidet war. Als Tor oder Narr werden auch Personen bezeichnet, die sich sehr unreif, dumm, tollpatschig, voreingenommen, vorurteilsbehaftet und unwissend verhalten und die sich auf Basis ihrer Unwissenheit als Gelehrte aufplustern, ohne ihre Unwissenheit zu erkennen, weil sie denken, ihre Unwissenheit sei großes Wissen.
Außer Gebrauch gekommen ist die allgemeine Bedeutung eines „Narren“, der „närrische“, verdrehte, einfältige Dinge tut, halb mutwillig, halb wahnsinnig. Der Ausdruck wurde verunglimpfend gebraucht; allenfalls die Bezeichnung „Närrchen“, für ein Kind oder einen Jugendlichen, drückte gemischte Sympathie aus.
4↑ Aloys Winterling: Der Hof der Kurfürsten von Köln 1688-1794. Eine Fallstudie zur Bedeutung „absolutistischer“ Hofhaltung, Bonn 1986 (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein Bd. 15), S. 161.
7. ↑ Vgl. Herborn, Kölner Karneval, S. 139 f.
Wie die Karnevalsession berechnet wird
Quasi wie der Introitus zu den närrischen Freuden wird in Köln und in rheinischen Fastnachtslanden das Lied „Kumm, loss mer fiere” gesungen. Ihm entspricht als Schlusslied, in dem melodramatisch der Anfang vom Ende besungen wird, das Lied: „Am Schermittwoch is' alles vorbei”. Das Wissen um die Endlichkeit der Narretei ist zwar Altbestand karnevalistischen Wissens, aber eine kurze Session wie die in diesem Jahr 2002 lässt dennoch manchen Narren aufstöhnen: Wenn die Session so kurz ist, dass man nicht einmal mehr eine Chance zu einem Besuch des Dreigestirns bekommt, warum kann man dann nicht einfach die Session verlängern „Eine närrische Frage” Klar! Und ernst gemeint.
Die Karnevalszeit hat traditionell feste Bezugspunkte. Die Eröffnung der Session zum närrischen Termin am 11.11. um 11.11 Uhr ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Der Tag gibt einen ersten Ausblick: Prinzenpaar oder Dreigestirn sowie das Motto werden vorgestellt. Der Tag ist ein karnevalistischer Appetizer - nicht mehr und nicht weniger.
Der eigentliche Karneval im Rheinland, und zwar zuerst der Sitzungskarneval und die Maskenbälle anderswo beginnen mit dem Dreikönigstag, dem 6. Januar. Dieser Termin knüpft an das alte Bohnenfest an, das durch den Königskuchen am Dreikönigstag ausgelöst wurde. Wer die Bohne im Kuchen fand, wurde Bohnenkönig und musste ein Maskenfest geben. Übrigens war dies ein soziales Fest, weil die Herrschaften, die feierten, auch der Dienerschaft ein Bohnefest ausrichteten; dieses Fest hieß „schwarzer Bohnenkönig”. Das Bohnenfest war im Jahreslauf die erste karnevalistische Feier, der seit der Wiederbelebung des Karnevals in der Romantik des 19. Jahrhunderts nun die weiteren Feste folgten.
Fastnacht, Fasching oder Karneval sind seit dem 12. Jahrhundert auf die Zeit zwischen Dreikönige und Aschermittwoch eingegrenzt. Warum? Weil Fastnacht - also die Nacht vor dem Fastenbeginn - ein Schwellenfest ist und am Vorabend des Fastenaufktakts am Aschermittwoch entstand und sich dann ausweitete: Die „drei tollen Tage”, die wir noch in Fastnachtliedern besingen, sind ursprünglich der Donnerstag vor dem Karnevalsonntag, der Sonntag und der Dienstag. Als sich nach 1823 der „Rosenmontag” mit dem Straßenkarneval und dem Rosenmontagszug durchsetzten, lief dieser Tag dem „Veilchendienstag” den Rang ab.
Der Termin des Aschermittwochs ist kein fester Tag, sondern ein „beweglicher”, variabler Termin. Er errechnet sich von Ostern her. Nach jüdischer Tradition wird am 14. Nisan (die quarta decima) Passah gefeiert, weshalb die Urchristen dies der Tag des Osterfestes war, ohne Rücksicht darauf, ob dieser Tag auf einen Sonntag fiel. Im Westen dagegen bildete sich der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Ostertermin heraus, der schließlich durch das Konzil von Niccäa 325 festgeschrieben wurde. Das Osterfest kann demnach auf einen Termin zwischen dem 22. März und 25. April (Ostergrenze) fallen. Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit (Quadragesima) dem Osterfest voran. Ostern ist deshalb ein beweglicher Festtermin. In Folge ist die Fastenzeit auch „beweglich”. In Bezug auf das Fasten Jesu in der Wüste (Mt 4, 2) legte die Kirche die Länge der Fastenzeit auf 40 Tage und Nächte fest. Die in 40 Einheiten zu teilende Zeitspanne bezeichnet die erdzugewandte Vielfalt und kommt in der Bibel mehrfach vor: 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste (Ex 16,35), 40 Tage begegnet Moses Gott auf dem Sinai (Ex 24,18), 40 Tage wandert Elias zum Berg Horeb (1 Kön 19,8), 40 Tage fastet Jesus in der Wüste (Mt 4,2; Lk 4,2) und 40 Tage nach der Auferstehung (= Ostern) feiert die Kirche Christi Himmelfahrt (Apg 1,3). Der Beginn der Fastenzeit liegt auf einem Mittwoch und das Ende der Fastnachtszeit auf dem Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocabit). Als die Synode von Benevent 1091 die Sonntage in der Fastenzeit als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausnahm, rückte deshalb der Beginn der Fastenzeit um 6 (Wochen-) Tage vor. Die Fastnacht endet seitdem am Dienstag nach dem 7. Sonntag vor Ostern (Estomihi) und die Fastenzeit beginnt mit dem folgenden Mittwoch, dem Aschermittwoch. Jene, die ihre Fastnacht nach der alten Fastenordnung vor der Regelung in Benevent (1091) feiern, begehen die Alte Fastnacht (auch: Bauernfastnacht), die immer in die geltende Fastenzeit fällt. Zum Unterschied von der Alten Fastnacht wurde der der neuen Fastenordnung entsprechende neue Fastnachtstermin Herrenfastnacht genannt.
Die Fastenzeit gilt als gebundene Zeit, denn in dieser Zeit waren die Christen an Verpflichtungen gebunden: Die Pflicht zum Fasten, d.h. zum Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte (= Laktizinien) und Eier, Mitfeier der Karwoche und der österlichen Gottesdienste, Teilnahme an der Osterbeichte.
Fastnacht, Fasching oder Karneval haben vor dem Fastenbeginn nicht nur die Funktion des Dampfablassens, des „noch einmal auf die Pauke hauen”. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Kirche den Weg durch Leid und Tod zur Auferstehung, zum himmlischen Jerusalem, Ostern. Dieser „Zeit des Geistes” wurde die „Zeit des Fleisches” vorangestellt, in der gespielt wurde, wie man falsch lebt: als Gottesleugner ein Narr, in der Rolle des Teufels als Gottesfeind, weltzugewandt und verloren in Sinneslust. Fastnacht war ein Spiel, das Gespielte keine Realität, sondern letztlich Abschreckung.
Die Fastnacht wird nicht vom ökonomischen Bedarf der Fastnachtvermarkter bestimmt, - Gott sei Dank. Fastnacht und ihre Zeit waren und sind abhängig von Ostern und der Ostern vorausgehenden Fastenzeit. Der Sinn der Fastnacht erschließt sich nur von der Fastenzeit her. Und eigentlich dürfte nur der Fastnacht feiern, der auch anschließend fastet und sich auf Ostern vorbereitet. Ein seltsamer Narr, wer in der Fastenzeit noch närrisch sein will.
© Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
In Sack und Asche
Aschermittwoch, der Tag, an dem angeblich „alles vorbei” ist
Seit dem 6. Jahrhundert bildet der Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern („Invocabit”) den Auftakt zur österlichen Fastenzeit. Unter Einbeziehung von Karfreitag und Karsamstag und unter Ausschluss der Sonntage ergeben sich 40 Fastentage vor dem höchsten christlichen Feiertag, dem Gedächtnis an die Auferstehung Christi. Weil die Büßer in der Kirche an diesem Tag nach alter Tradition mit Asche bestreut wurden, erhielt dieser Tag den Namen Aschermittwoch. Seit dem 10. Jahrhundert lässt sich die Austeilung des Aschenkreuzes an diesem Tag nachweisen. Mancherorts hieß der Aschermittwoch auch Pfeffertag, weil Langschläfer mit grünen Ruten aus den Federn „gepfeffert” wurden. Andernorts gab es den Aschermittwochstreich: Kinder besuchten ihre Paten, gaben ihnen ein paar Streiche mit einer grünen Rute und erhielten dafür Brezeln. Statt eines grünen Reis konnten auch bändergeschmückte Tannenzweige (Sachsen), Birkenreise (Harz, Mecklenburg) benutzt werden. Im Raum von Hannover pfefferten die jungen Burschen und warfen Asche. Wacholder- und Fichtenzweige wurden in Norddeutschland benutzt, wo dieser Brauch Fuen hieß. Hier wurden die Langschläfer gepfeffert, bis sie sich mit Lebensmittelspenden freikauften. In Halberstadt wurde am Aschermittwoch die Gegensätzlichkeit vom „alten Adam” und „neuem Adam” augenfällig thematisiert: Ein armer Missetäter wurde als „Adam” aus der Kirche gejagt, musste während der Fastenzeit barfuss betteln und erhielt an den Kirchentüren Speise, bis er am Gründonnerstag beim Abendmahlsgottesdienst friedlich wieder aufgenommen und dann als gereinigt entlassen wurde: ein Reinigungssinnbild für die ganze Stadt. Der Fastenauftakt hat viele Namen: Erster Tag (Mittwoch) in der Fasten oder Macherdag (in der Vasten) (Rheinland), dies quadragesimale oder nach der Aschenweihe: Exaudi nos domine. Nach der klassischen Fastenspeise heißt der Tag auch Heringstag. Die meisten Namen nehmen Bezug auf die tagesspezifische Asche: Aschetag, als man aschen aufs Haupt nimmt, cendres (Frkr.), cineres, dies cinerum, Eschtag, Öschriger Mittwoch. Aschermittwoch als Schwellenfest zwischen Fastnacht und Fastenzeit wird nicht erst in unseren Tagen durch - vermeintlich oder tatsächlich - „nachgeholte” Fastnachtsveranstaltungen (Ball der Köche, Taxifahrer ...) pervertiert. Das symbolische Fischessen am Aschermittwoch zelebrieren einige als lukullisches Ereignis. Im Faust I lesen wir bereits: „So sei die Zeit mit Fröhlichkeit vertan! / Und ganz erwünscht kommt Aschermittwoch an. / Indessen feiern wir, auf jeden Fall, / Nur lustiger das (sic) wilde Karneval.”
Asche als reales Symbol für die Vergänglichkeit und Bußgesinnung war im gesamten Orient zu Hause, natürlich auch in Israel. Ein „Reinigungswasser” wurde z.B. aus der Asche einer verbrannten, fehlerlosen roten Kuh, vermischt mit verbranntem Zedernholz, Ysop und Karmesin, gesammelt von einem kultisch reinen Mann, hergestellt (Num 19,9f.). Als „Asche-Sprüche” wurden wertlose Reden bezeichnet (Gen 18,27; Hiob 13,12), als „Aschehüten” die Götzenverehrung (Jes 44,20). Der Büßer sitzt „in Staub und Asche” (Hiob 30,19), streut sich „Asche auf sein Haupt” (2 Sam 13,19, 1 Makk 3,47) und kleidet sich in „Sack und Asche” (Est 4,1, Jes 58,5, Mt 11,21, Lk 10,13). Die neutestamentliche Formulierung, nach der in Sack und Asche Buße getan wird, fand Eingang nicht nur in deutsche Redensarten. Im Frz. heißt es: „Faire pénitence dans la sac et dans la cendre” (veraltet); im Englischen: „To repent in sackcloth and ashes”; im Niederländischen: „In zaken en as zitten”. Im Christentum fand die Asche in Bußgottesdiensten und - seit dem 10. Jahrhundert - beim Aschenkreuz am Aschermittwoch Verwendung. Die Symbolik der Asche wird heute noch in einem anderen Gottesdienst als zu Aschermittwoch verwendet, nämlich in der Messe zur Amtseinführung eines neuen Papstes. Vor den Augen des neugewählten Papstes verbrennt einer der ranghöchsten Kardinäle einen Wollfaden, um den Neugewählten auf die Vergänglichkeit und Nichtigkeit allen Scheins aufmerksam zu machen. Als Mahnung und Erinnerung an die eigene Relativität, als Hinweis auf die Notwendigkeit zu Buße und Umkehr angesichts des unausweichlichen Todes, den der im vermeintlich immerwährenden Jetzt lebende Mensch nur zu gerne verdrängt, ist die Symbolik der Asche ein nach wie vor lebendiges Symbol.
Am Aschermittwoch begann in der frühen Kirche die öffentliche (Kirchen-) Buße, an dem die Büßer ein Bußgewand anlegten und mit Asche bestreut wurden. Als die öffentliche Buße außer Gebrauch kam (10. Jh.), übertrug sich die Asche-Symbolik auf alle Gläubigen (Synode von Benevent 1091). Aschesegnungen im Christentum lassen sich deshalb bis mindestens zum 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Aschenkreuz auf der Stirn der Gläubigen versinnbildlicht den Anbruch der Bußzeit und des Fastens. Bei der Austeilung spricht der Priester traditionell die Worte: „Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst” (vgl. Gen 3,19) und erinnert damit an Jesus Sirach 17,32, wo die Menschen als „nur Staub und Asche” definiert werden. Die Asche des Aschermittwochs wird seit dem 12. Jahrhundert aus den am Palmsonntag übriggebliebenen Palmzweigen des Vorjahres gewonnen.
Auf Vorschlag von Paul Claudel fand nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris erstmals ein „Aschermittwoch der Künstler” statt, eine Idee, die Josef Kardinal Frings in Köln 1950 aufgriff. Seitdem treffen in Köln alljährlich Bischof und Künstler zu einer religiösen Standortbestimmung zusammen. Weltweit findet der Aschermittwoch der Künstler in über 100 Städten statt.
© Prof. Dr. wtheol. Manfred Becker-Huberti, Köln